mäANDERND
Dienstag, 19. Mai 2026 19:00 Uhr bis Sonntag, 28. Juni 2026 18:00 Uhr
Hannah Stippl & Simon Goritschnig
Vernissage am Freitag, 29. Mai 2026 um 19 Uhr
Begrüßung durch Klaudia Stöckl
Zur Ausstellung spricht Nina Schedlmayer, Kulturjournalistin und Kunsthistorikerin
In der Ausstellung wird das malerische Werk der Künstlerin Hannah Stippl und des Künstlers Simon Goritschnig in einer spannenden Gegenüberstellung präsentiert.
Simon Goritschnig und Hannah Stippl diskutieren in ihren oft raumgreifenden Arbeiten die Auswirkungen menschlichen Handelns und Erzählens auf biologische und mythologische Systeme. Sie laden Betrachterinnen dazu ein, sich in die Rolle des Forschenden zu versetzen und, selbst mäandernd, neue Zusammenhänge zu entdecken
Wer mäandert, nimmt das Thema ernst, den Weg und gibt sich selbst dazu, als Gast und Gastgeber, passiv und aktiv zugleich. Wer mäandert, folgt nicht immer dem Weg des geringsten Widerstandes, sondern sammelt Energie wo es möglich ist um dann Durchbrüche ins Unmögliche zu schaffen. Es lässt sich gut ausufernd denken beim mäandern.
Es lässt sich gut mäandernd erzählen, formulieren, malen, zeichnen. Das Denken von und mit Systemen, die sich ständig im Wandel befinden und doch eng miteinander verbunden sind, verlangt das Loslassen vereinfachter linearer Logik und sich auf verschlungene Muster einzulassen.
Das mäandernde Denken öffnet Räume für Fragen, Hypothesen und Gedankenexperimente.
Im Zentrum von Simon Goritschnigs Interessen stehen Biologie, Archäologie und Science-Fiction. In ‚Excavations from Unknown Origins' taucht er in die Möglichkeiten fremder Welten ein. In Rückgriff auf die Isomorphie - dem mathematischen Prinzip der Deckungsgleichheit, der Gleichartigkeit in den unerwartetesten Regionen des Kosmos - verknüpft Goritschnig Evolutionstheorie mit Spekulationen über unbekannte Lebensformen.
Goritschnig lässt dazu eigenwillige Gebilde den Raum durchziehen. Ihr Ursprung, ob organisch oder anorganisch, bleibt zunächst rätselhaft. Die durch Filment-Druck realisierten Objekte ähneln Fossilien, wobei anorganische Materialität auf organische Formen trifft. Zudem setzt Simon Goritschnig die Zeichnung als Formwandler im Lauf der technologischen Entwicklung neben computerunterstützte Methoden und deren postapokalyptisches Flair. Seine Graphitfrottagen und Tuschezeichnungen vereinen bekannte zoologische und botanische Elemente mit fantastischen Strukturen und Vertrautes mit Momenten der Unbegrenztheit.
Hannah Stippl spürt den Mustern des Lebendigen nach - in Landschaften, Mythen, Mustern und der Philosophie. Zentrale Themen sind das Hinterfragen des gängigen Naturbegriffs, die Auseinandersetzung mit alten Mythen und die Kritik an einem patriarchal-dualistischen Weltbild.
Die Abwesenheit von Klarheit ist ein zentrales Konzept ihrer Arbeit, die sich stets gegen ein vorschnelles Verständnis wendet. Das mit einem Blick erfassbare Bild interessiert sie nicht. Es geht darum, einen labyrinthischen, mäandernden Blick zu erzeugen, von vermeintlichen Zentren abzulenken und Schichten so zu staffeln, dass man am Ende nicht mehr weiß, was vorne oder hinten ist. Das „Dahinter“, übermalt und unsichtbar, ist immer noch vorhanden, es ist Teil des Bildes. Ihre Bilder zeigen eine Staffelung von Schichten, die das unsichtbar Gewordene einschließt. Die zeitliche Dimension ist wichtig, denn die Bilder werden ständig überarbeitet, bleiben unbemerkt, werden wieder hervorgeholt. Es ist wichtig, diese Spuren nicht um einer oberflächlichen Klarheit willen zu verwischen.
Ausstellungsdauer: 30.5 – 28. 6. 2026
Finissage: 28. 6. 2026